Klassische Musik trifft auf Hacker: 27C3 "The Concert"

Jan 11 2011 Published by in Türkis Kommentar hinterlassen

Jährlich findet zwischen Weihnachten und Silvester der CCC statt, der [[wiki:Chaos Communication Congress]]: Ein großes, internationales Hacker-Treffen, welches vom [[wiki:Chaos Computer Club]] (auch CCC) veranstaltet wird. Auf dem Kongress gibt es natürlich viele Vorträge und Workshops über Computertechnologie, insbesondere IT-Sicherheit. Zum Beispiel, warum EC-Karten nicht wirklich sicher sind, wie man seine PlayStation 3 hackt, was man mit dem Handy-Baseband so alles anstellen kann. So werden auf dem Kongress jedes Mal beunruhigende Sicherheitslücken in Computersystemen und im Netz offen gelegt und auf diese hingewiesen, damit sie geschlossen werden können.

Was hat das ganze nun mir klassischer Musik zu tun? Normalerweise sieht man auf dem Hacker-Getümmel ja vor allem Computerheinis (wie meine Großmutter sagen würde) und ihre Ansammlungen and Rechnern und sonstiger Gadgets, sowohl auf – als auch vor den Vortragsbühnen. Es gab allerdings einen Vortrag, der sich von allen Anderen absetzte und der von vielen Besuchern des Kongresses als ein Highlight, wenn nicht sogar DAS Highlight beschrieben wurde.

Ein Künstlerduo betritt die Bühne. Julien Quentin setzt sich an einen Steinway-Flüge, Corey Cerovsek packt eine waschechte Stradivari-Geige aus. “Begleitet” werden die Beiden von Alex Antener, der eine Slide-Show steuert auf der ein fiktiver Chat-Log abläuft. Das Trio hat eine Botschaft. Es geht um das Urheberrecht und wie glücklich sich Musiker sich schätzen können, die klassische Musik spielen: In der Regel sind alle Noten, all die schönen Werke, die man so im klassischen Kanon spielen möchte, inzwischen frei von Lizenzen. Das ist praktisch, denn so kann jeder klassische Musik aufführen ohne erst Lizenzgebühren zahlen zu müssen. Mit heutiger Musik ist das nicht so einfach. Die Musiklabels versuchen Musik so lange wie möglich zu lizensieren. Natürlich sollen Künstler durch ihre Kunst exklusiv Geld verdienen können. Aber wie sehr wird damit der Austausch in der Kunst, das Kulturwesen behindert? Und wie lange muss so eine Lizenz wirklich gelten? 20 Jahre, 50 Jahre, 100 Jahre, ewig? Und ist es nicht vielleicht nötig, über neue Formen des Urheberrechts nachzudenken, die das Teilen, das Remixen und eingeschränkte Nutzung zulässt, ohne das die Urheberschaft völlig aufgegeben werden muss. Was nicht nur für die Kunst, sondern auch für Software-Patente und Technologie sehr sinnvoll sein kann. [[wiki:Creative Commons]] ist eine solcher Versuch, auf den die Musiker verweisen.

Es gibt ein Video des Vortrags. Zwar kann es die eigentliche Atmosphäre nur unzulänglich wiedergeben, aber auch in der Aufzeichnung merkt man, das hier etwas besonderes passiert. Ein ganzer Saal voller Computernerds lauscht andächtig den Klängen von Johannes Brahms. Auf den Folien steht irgendwann, dass man jetzt einfach nur noch spiele und zuhören möge. Die Kreutzer Sonate von Beethoven. Am Ende gibt es Standing Ovations, die Zuschauer sind offensichtlich begeistert. Von der Idee, vom Konzept, doch vor allem einfach durch die Musik.

Daraufhin treten die drei Künstler an die Mikrofone und erklären triumphierend: “You have been hacked!” Recht haben sie. Ein schönes Beispiel für die Kraft von klassischer Musik. Hochmorderne Techinik-Profis infiziert von Tönen und einer Geige, die hunderte von Jahren alt sind. Analog und digital. Das gesamte Konzert und die anschließende kurze Interviewrunde kann man sich in ganzer Länge hier ansehen/runterladen, hier geht es zur Projektseite.

Klassische Philharmonie Bonn

Okt 22 2010 Published by in Konzert Kommentar hinterlassen

So, bevor ich es jetzt ganz vergesse, muss ich hier noch ein paar Worte zu meinem Konzertbesuch am vergangenen Dienstag verlieren. Da spieltenämlich die Klassische Philharmonie Bonn in der Oetker Halle. Als kleines Warm-Up gab es die Alceste Ouvertüre von Gluck, danach das bekannte Klavierkonzert von Grieg. Nach der Pause schließlich die berühmte Eroica, die 3. Sinfonie von Beethoven. Ein äusserst populäres, fast schon populistisches Programm also, so weit so gut.

Mit Glucks Ouvertüre war ich noch gar nicht vertraut, hatte an dem rund 7 Minuten langen Stück auch nicht viel auszusetzen, es hat mich allerdings auch nicht mitgerissen und die Interpretation wirkte auf mich etwas arg diktiert und – naja – etwas streberhaft. Diesen Takt spielen wir LAUT, den nächsten ganz leise, dann wieder LAUT und so weiter. Danach kam es zu Griegs Klavierkonzert, auf das ich mich sehr gefreut hatte, da es mein erster Besuch eines Klavierkonzerts überhaupt sein sollte und Griegs Konzert zu einem meiner ersten klassischen Wegbegleiter gehört. Aber das ist es wahrscheinlich für sehr viele Leute, sogar solche, die gar nichts davon wissen.

Leider war diese Interpretation allerdings die Enttäuschung des Abends. Die Solistin (deren Namen ich leider nicht weiss, da ich keine Gelegenheit hatte mir ein Programmheft zu besorgen und den ich auch in der Online-Konzertbeschreibung nicht finden kann) wirkte auf mich stets etwas überfordert, auch ihretwegen waren manche Tempi, nach meinem Erachten, viel zu langsam. Gerade der zweite Satz schleppte und schleppte sich. Auch das Zusammenspiel zwischen Orchester und Klavier harmonierte nur leidlich, stets hatte ich das Gefühl das die jeweils eine oder andere Partei gerade knapp am Einsatz vorbei schrammte. Der dritte Satz wurde dann glücklicherweise doch noch recht flott dirigiert, gelang besser, doch der negative Gesamteindruck überwog. Schade eigentlich, da die Solistin ihr virtuoses Können während ihrer Zugabe durchaus unter Beweis stellte.

In der zweiten Hälfte dann die Eroica, mit der ich mich bisher nie so richtig anfreunden konnte, obwohl ich sie durchaus ab und zu ganz gern höre. Aber sicher kein Beethoven-Favorit für mich. Die 3. Sinfonie war dann wieder solide, ja größtenteils sogar ziemlich gut musiziert, wie ich fand. Jedenfalls konnte ich hier aufmerksam und durchaus gebannt zuhören, ohne dauernd mit der Stirn zu runzeln oder meine Beine in den engen Sitzreihen hin- und her zu sortieren. Die Oetker Halle war nicht ausverkauft, dennoch schien es der überwiegenden Mehrheit des Publikums sehr gefallen zu haben. Zeigt ja auch, das meine Eindrücke natürlich rein subjektiv sein können. Doch nicht nur das: Die Zuhörerschaft war diesmal auch erstaunlich unruhig. Vielleicht hat es mit dem Herbstbeginn zu tun, jedenfalls wollten erstaunlich viele Kehlen geräuspert und enthustet werden. Das ist sowieso so ein Phänomen mit der Husterei, bestimmt einmal einen eigenen Blogeintrag wert. Mehr Eindrücke speziell dazu kann man übrigens hier nachlesen.