The Catcher in the Rye
So oft hört man von Prominenten, Film-Stars und sonstigem Bewundernswertem, dass ihr wahres, oder literarisches, oder künstlerisches Leben erst losging, als sie The Catcher in the Rye von J. D. Salinger lasen. So ein Aufweck-Buch eben. Eine aufrüttelnde Kraft, die gerne auch good old Siddharta von Hesse nachgesagt wird. “Das Buch hat mein Leben verändert!”
Auf mich hatte der Klassiker aus dem Jahre 1945 keine derartige Wirkung. Ich fand es stellenweise amüsant, stellenweise anstrengend. Wie Protagonist und Antiheld Holden Caulfield, gerade aus der x-ten Schule geflogen, getränkt in teenage-angst und sexueller Konfusion, die “phoniness” der New Yorker Nachkriegsgesellschaft beschreibt. Um sich vom Rest der Welt abzugrenzen setzt er sich komische Hüte falsch herum auf. Holden Caulfield, the original hipster, isoliert sich in seiner Nichtkonformität, findet alles andere zum kotzen. Amüsant und anstrengend eben, wenn er sich von der Gesellschaft distanziert, sich für etwas Besseres hält und doch den Dingen in ihrer Komplexität nicht gerecht wird und leider nicht wirklich cool, sonder hochemotional ist und in Wirklichkeit nur durch seinen schlacksigen Körperbau drübersteht.
“Don’t ever tell anybody anything. If you do, you start missing everybody.”
Ja so kann das sein als Pubertierender, ein Charakter mit Identifikationspotential, keine Frage. Aus heutiger Sicht erscheint die Geschichte dann allerdings doch etwas antiquiert. Die für das prüde Nachkriegsamerika skandalöse Verwendung von Schimpfwörtern und sexuellen Anspielungen wirken nach Hegemann und co doch etwas aufgesetzt, dennoch ist The Catcher in the Rye nach wie vor an vielen amerikanischen Schulen verboten. Und die Bildungsroman-Lernkurve kommt auch etwas spät und unvermittelt. Entweder es geht unglaublich schnell, oder man liest es als hoffnungsloses Ende. Teenager-Style eben.