Archiv für 'Konzert' Kategorie

Neujahrskonzerte 2010/2011

Dez 30 2010 Published by in Konzert 2 Kommentare

Neujahrs- und Silvesterkonzerte scheinen langsam zu einer TV-Schlacht unter den Fernsehsendern zu werden. Mit vier verschiedenen Live-Konzerten kann man das Jahresende, bzw. den Jahresanfang bestreiten. Versuchen wir also, ein wenig Übersicht zu schaffen.

ARD: Berliner Philharmoniker, Gustavo Dudamel
In der ARD wird, wie gehabt, das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker übertragen. Shooting-Star Gustavo Dudamel wird dirigieren. Auf dem Programm steht eine französisch-spanische Auswahl mit Werken von Saint-Saens, Offenbach, Berlioz und de Falla. Mezzosopranistin Elina Garanca ist geladen, um u.a. Auszüge aus George Bizets Carmen zu singen. Moderiert wird vom markanten Kinnträger und Moderator Dieter Moor.
ARD, 31.12.2010, 17.15 Uhr

ZDF: Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann
Nachdem das ZDF 2009 aus dem Vertrag mit Rattle und den Berliner Philharmonikern ausgestiegen ist, feiern sie nun ihre neue eigene Silvester-Konzert-Premiere. Eine Live-Übertragung aus der Semeperoper mit der Staatskapelle Dresden. Christian Thielemann, der eigentlich erst im Laufe der Spielzeit 2012/13 für sieben Jahre Chefdirigent in Dresden wird, darf sich bei diesem Anlass ein wenig “warm spielen”. Mit Renée Flemming hat das ZDF einen weiteren hochprominenten Namen an Bord. Gespielt werden Auszüge aus der Lustigen Witwe von Franz Lehár. Gesendet wird quasi zeitgleich zu ARD. Offenbar möchte man hier konkurrieren. Schade, denn der Zuschauer muss sich hier entscheiden und auf eine Übertragung verzichten.

UPDATE: Aufgrund der Wetterbedingungen konnte Renèe Flemming nicht zu den Proben für das Silvesterkonzert der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann reisen. Es sieht zwar momentan so aus, als würde sie es rechtzeitig zu den Aufführungen schaffen, jedoch haben die Veranstalter noch einen Joker aus dem Ärmel gezogen und gleichzeitig einen kleinen Coup gelandet.
Anna Netrebko hat sich samt ihrem Ehemann, Bassbariton Erwin Schrott, dazu bereit erklärt in die Bresche zu springen, um Frau Flemming ein wenig zu entlasten. Und so werden im ZDF wohl zwei äusserst bekannte Sopranistinnen zu sehen sein. Eins zu Null also für das ZDF im direkten Schlagabtausch mit der ARD?
ZDF: 31.12.2010, 17.20 Uhr

ZDF: Wiener Philharmoniker, Franz Welser-Möst
Im neuen Jahr kann man sich den Kater dann mit dem traditionellen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker runterspülen. Champagnerlaune wird hier besonders groß geschrieben, das Wiener Neujahrskonzert kommt stets besonders fröhlich daher, viel Strauss, viel Ballett. Donauwalzer und Radetzky Marsch gehören seit jeher dazu, dieses Jahr gibt es auch Werke von Liszt und Hellmesberger zu hören. Auch in Wien steht das Neujahrskonzert unter besonderer Beobachtung. Schließlich ist Franz Welser-Möst frisch gebackener Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper.
ZDF: 01.01.2011, 11.15 Uhr

ARTE: Orchester des Teatro La Fenice, Daniel Harding
Zu guter Letzt klingen die Feierlichkeiten am Samstagabend auf ARTE aus. Daniel Harding dirigiert das Orchester des Teatro La Fenice in Venedig. Auf dem Programm steht die Neunte Sinfonie von Antonin Dvorak Aus der Neuen Welt. Im zweiten Teil werden verschiedene Opernstücke gespielt, u.a. von Verdi, Mozart und Rossini
ARTE: 31.12.2010 + 01.01.2011, 19.15 Uhr

Gesichtsdirigat

Dez 07 2010 Published by in Konzert 2 Kommentare

Herr Bernstein dirigiert den Vierten Satz aus Haydns 88. Sinfonie per Gesichtsmimik und exzellentem Duckfacing. Daraus mach ich irgendwann nochmal eine Serie.
(via)

Klassische Philharmonie Bonn

Okt 22 2010 Published by in Konzert Kommentar hinterlassen

So, bevor ich es jetzt ganz vergesse, muss ich hier noch ein paar Worte zu meinem Konzertbesuch am vergangenen Dienstag verlieren. Da spieltenämlich die Klassische Philharmonie Bonn in der Oetker Halle. Als kleines Warm-Up gab es die Alceste Ouvertüre von Gluck, danach das bekannte Klavierkonzert von Grieg. Nach der Pause schließlich die berühmte Eroica, die 3. Sinfonie von Beethoven. Ein äusserst populäres, fast schon populistisches Programm also, so weit so gut.

Mit Glucks Ouvertüre war ich noch gar nicht vertraut, hatte an dem rund 7 Minuten langen Stück auch nicht viel auszusetzen, es hat mich allerdings auch nicht mitgerissen und die Interpretation wirkte auf mich etwas arg diktiert und – naja – etwas streberhaft. Diesen Takt spielen wir LAUT, den nächsten ganz leise, dann wieder LAUT und so weiter. Danach kam es zu Griegs Klavierkonzert, auf das ich mich sehr gefreut hatte, da es mein erster Besuch eines Klavierkonzerts überhaupt sein sollte und Griegs Konzert zu einem meiner ersten klassischen Wegbegleiter gehört. Aber das ist es wahrscheinlich für sehr viele Leute, sogar solche, die gar nichts davon wissen.

Leider war diese Interpretation allerdings die Enttäuschung des Abends. Die Solistin (deren Namen ich leider nicht weiss, da ich keine Gelegenheit hatte mir ein Programmheft zu besorgen und den ich auch in der Online-Konzertbeschreibung nicht finden kann) wirkte auf mich stets etwas überfordert, auch ihretwegen waren manche Tempi, nach meinem Erachten, viel zu langsam. Gerade der zweite Satz schleppte und schleppte sich. Auch das Zusammenspiel zwischen Orchester und Klavier harmonierte nur leidlich, stets hatte ich das Gefühl das die jeweils eine oder andere Partei gerade knapp am Einsatz vorbei schrammte. Der dritte Satz wurde dann glücklicherweise doch noch recht flott dirigiert, gelang besser, doch der negative Gesamteindruck überwog. Schade eigentlich, da die Solistin ihr virtuoses Können während ihrer Zugabe durchaus unter Beweis stellte.

In der zweiten Hälfte dann die Eroica, mit der ich mich bisher nie so richtig anfreunden konnte, obwohl ich sie durchaus ab und zu ganz gern höre. Aber sicher kein Beethoven-Favorit für mich. Die 3. Sinfonie war dann wieder solide, ja größtenteils sogar ziemlich gut musiziert, wie ich fand. Jedenfalls konnte ich hier aufmerksam und durchaus gebannt zuhören, ohne dauernd mit der Stirn zu runzeln oder meine Beine in den engen Sitzreihen hin- und her zu sortieren. Die Oetker Halle war nicht ausverkauft, dennoch schien es der überwiegenden Mehrheit des Publikums sehr gefallen zu haben. Zeigt ja auch, das meine Eindrücke natürlich rein subjektiv sein können. Doch nicht nur das: Die Zuhörerschaft war diesmal auch erstaunlich unruhig. Vielleicht hat es mit dem Herbstbeginn zu tun, jedenfalls wollten erstaunlich viele Kehlen geräuspert und enthustet werden. Das ist sowieso so ein Phänomen mit der Husterei, bestimmt einmal einen eigenen Blogeintrag wert. Mehr Eindrücke speziell dazu kann man übrigens hier nachlesen.

Swing Symphony

Sep 24 2010 Published by in Konzert Kommentar hinterlassen

Gestern war dann die US-Premiere der “Swing Symphony”, komponiert von Jazz-Legende Wynton Marsalis, der mit seiner Jazz-Kombo dann auch selbst inmitten der Reihen des New York Philharmonic Orchestras spielte. Die Weltpremiere der Swing Symphony gab es im Sommer bei den Berliner Philharmonikern und hat mir sehr gut gefallen. Die Aufführung kann man sich über die Digital Concert Hall an dieser Stelle ansehen, gratis gibt es nur eine kurze Vorschau. Lustig, zu beobachten, wie die Zuschauer mehr und mehr den Drang verspüren, im Sitzen zu tanzen.

Ich jedenfalls hoffe das Werk findet sich irgendwann auch auf CD wieder. Die New York Times hingegen findet aber nicht nur positives über diese “Musikstunde” in Sachen Swing zu berichten. Es erinnere dann doch sehr an die Arbeit von Bernstein und die Swing Symphony hätte es demzufolge schon im Jahre 1959 geben können. Geschenkt, denn auch in New York gab es am Ende standing ovations.