Archiv für 'Homo ludens' Kategorie

Humble Bundle Mojam

Feb 17 2012 Published by in Homo ludens Ein Kommentar

Auch wenn in letzter Zeit neue Indie-Game-Pakete beinahe etwas zu inflationär auf den Markt geschmissen werden, so war ich doch seit jeher Freund der Humble Indie Bundles. In erster Linie, weil die Spiele traditionellerweise für alle drei Plattformen, Windows, Mac und Linux erscheinen und weil es interessanterweise immer die Linux-User sind, die den höchsten durchschnittlichen Preis zahlen. Den Preis für das Bundle kann man nämlich selbst bestimmen. Darüber hinaus kommt ein Teil des Geldes Charity-Organisationen zu Gute. In welchem Anteil kann wiederum jeder Kunde selbst festlegen.

Jetzt gibt es gerade eine neue, etwas andere Version des Humble Bundles. Notch, Erfinder von Minecraft, und sein Team wollen innerhalb von 60 Stunden ein Spiel entwickeln. Die Community konnte das Genre abstimmen, wobei das höchstplazierteste und das am niedrigesten platzierte Genre kombiniert wurden. So entsteht nun ein Echtzeitstrategie-Shoot’em Up-Spiel, dass im alten Ägypten spielt und Steampunk-Elemente enthalten soll. Die Einnahmen gehen diesmal komplett an Wohltätigkeitsorganisationen.

Nebenher kann man sich die Entstehung auch noch als Livestream anschauen und dabei zusehen wie Pizza bestellt und Codezeilen geschrieben werden. Programmieren zu können fasziniert mich immer sehr, aus dem Nichts etwas erschaffen zu können ist ein Privileg, dass nur wenige Menschen haben.

The Elder Scrolls: Skyrim

Dez 17 2011 Published by in Allgemein,Homo ludens 3 Kommentare

Ich habe nun einige Stunden in der Welt von Skyrim verbracht. Für meine Begriffe ordentlich Zeit, ungefähr doppelt so viel Zeit, verglichen mit meinem durchschnittlichen Zeitpensum für Games. Doch bei Skyrim habe ich das Gefühl, lediglich an der Oberfläche gekratzt zu haben.

Zuerst habe ich Skyrim genau so gespielt, wie man es nicht spielen sollte. Auf die Hauptquest fixiert habe ich es in vielleicht 12 Stunden möglichst schnell durchgespielt. Danach habe ich nochmal neu angefangen und versuche mir so viel Zeit wie möglich zu lassen. Allein sämtliche Quests in einer einzigen Stadt zu entdecken und die Hälfte davon zu erledigen hat bis jetzt 20 Stunden gedauert. Natürlich dauert es auch so lange, weil ich versuche in jedes Haus einzubrechen und alles einzuheimsen, das nach Münze oder Edelstein aussieht.

Wenn man sich nun überlegt, dass es ziemlich viele, ziemlich große Städte gibt und außerdem noch hunderte  Dungeons und andere Orte auf ihre Entdeckung warten. Ganz zu schweigen von den ganzen Questlines der Gilden und unterschiedlichen Gruppierungen: der Magier, der Diebe, der Krieger, der Werwölfe, der Vampire, der Sturmklingen, des Imperiums, der Bruderschaften und der was weiß ich nicht alles. An stundenlanges jagen, schmieden, brauen, verzaubern wage ich gar nicht zu denken. Das käme da noch oben drauf.

Skyrim ist ein riesiger Fantasy-Abenteuerspielplatz und das ist im wahrsten Sinne des Wortes großartig. Allerdings: Ich werde diesem Spiel wohl nie in seiner Größe gerecht werden können und wollen. Ich habe das Spielen verlernt. In der Ökonomie würde man wohl sagen, die Opportunitätskosten seien zu hoch. Das hat zwei Ursachen. Zeit und Muße. Die Zeit habe ich eigentlich nicht mehr, da fängt es schon mal an. Mein zu rechtfertigendes Zeit-Kontingent, das für das Jagen von Orks reserviert ist, ist äußerst begrenzt. Dabei habe ich natürlich genug Zeit für alle möglichen Dinge, ich könnte sie auch in Skyrim verbringen, wenn ich unbedingt wollte. Und da kommt die Muße ins Spiel. Ich will eben nicht mehr. Vor Jahren konnte ich noch ganze Wochen in virtuellen Welten verbringen, das machte mir gar nichts aus. Sich in einer großartigen Spielwelt zu verlieren war großartig. Doch das hat sich geändert. Es liegt nicht an den Spielwelten, denn die sind noch großartiger geworden. Es liegt an mir. Ich habe keine Lust mehr dazu. Oder anders gesagt, meine Lust ist nach ein paar Stunden, oft ein paar Minuten absolut befriedigt. Ich muss mich dann schon fast zwingen weiter zu machen. Nicht nur kommt mir die Zeit verschwendet vor, es mach mir auch einfach keinen Spaß mehr.

Das es ein Spiel wie Skyrim schafft, mich dennoch länger als die ein, zwei Stunden am Bildschirm zu halten, spricht für die Qualität des Titels. Doch es ist im Grunde nur noch eine nostalgischer Reflex meinerseits, zu versuchen, den Spaß der alten Tage herauf zu beschwören. Wirklich spielen möchte ich das alles nicht. Schon seit mehreren Jahren spiele ich jetzt nicht mehr regelmäßig.
Und ich könnte mir sehr gut vorstellen, das Skyrim zum Endspiel wird.

The Yogscast

Jul 30 2011 Published by in Homo ludens,Netz,Sonstiges 5 Kommentare

Um zu erklären, warum ich bestimmte Videos von The Yogscast ziemlich unterhaltsam finde, muss ich etwas weiter ausholen. Zunächst einmal gibt es eine ziemlich große Szene an Youtubern, die aufzeichnen, wie sie ihre Computerspiele spielen und das Ergebnis dann hochladen. “Let’s Plays” wird das oft genannt und wenn ein sehr talentierter “Let’s Player” loslegt, kann es mitunter mehr Spaß machen, diesem beim Spielen zuzusehen, als selbst das eigentliche Spiel zu spielen. The Yogscast, im Kern bestehend aus Honeydew und Xephos, machen eben solche Videos, die in der Regel von rund einer Millionen Menschen verfolgt werden. Sie konzentrieren sich dabei gerne auf Multiplayersessions und sind sowieso am besten, wenn sie zu zweit sind.

Nun hat diesen Leuten ein Spiel besonders angetan: Minecraft, das wohl erfolgreichste Indie-Spiel der vergangenen Jahre. Über Minecraft habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Das interessante an Minecraft ist im Grunde, das es kein richtiges Spielziel gibt und das die Spielwelt komplett umgestaltet werden kann. Minecraft ist ein riesiger Baukasten, der digitale Traum eines jeden Legobauklotzfetischisten. Und die Leute bauen die unglaublichsten Dinge.

The Yogscast schnappen sich also Minecraft und filmen, wie sie gemeinsam auf einem Minecraft-Server die erste Nacht überleben, sich ein erstes Domizil aus dem Stein kloppen und so weiter. Das ist schon ziemlich unterhaltsam, wenn man sich darauf einlässt und sich nicht zu blöd dabei vorkommt anderen Leuten beim Spielen zuzusehen.

Nach ein paar Folgen, passiert dann aber etwas, das meine Kinnlade runterklappen ließ. Ich glaube es war die Geburt einer neuen Art von Narration. In Folge 6 entdecken die Beiden ein Gebäude, das eigentlich nicht da sein dürfte. Später taucht dann plötzlich noch eine dritte Spielfigur auf dem Server auf und attackiert die beiden “Let’s Player” aus heiterem Himmel. Die Zwei beschließen ihre Zelte abzubrechen und den Angreifer zu verfolgen. Was darauf folgt ist ein groß angelegtes (und natürlich inszeniertes) Abenteuer mit vielen verschiedenen – und mithilfe der Spiele-Engine aufwendig erstellten – Schauplätzen und Charakteren. Ganze Dörfer und Städte, Dungeons und Labyrinthe werden auf diese Weise entdeckt, erkundet und zum Universum von The Yogscast.

Es ist also kein Machinima, wir erleben das komplette Geschehen stets aus der gleichen Perspektive, live,  und sie unterscheidet sich im Grunde nicht von einer normalen Minecraft Multiplayer-Partie.

Schon als ich das erste Mal über Minecraft schrieb, musste ich an die Freispielregeln von Ben denken, die er ursprünglich mal für World of Warcraft entwarf. Minecraft macht deshalb so viel Spaß beim bloßen Zuschauen, weil es wie gemacht wurde für Freispielregeln. Es gibt keinen Ballast, keinerlei hochkomplexe Spielmechanismen, keine Ziele, keinen “Fortschritt” im Spiel. The Yogscast haben diesen Umstand genutzt und erzählen nun eine Geschichte. Mit Minecraft und in Minecraft. Und die beiden Protagonisten haben dabei selbst keine Ahnung, wie ihr Abenteuer weitergehen wird (zumindest wird das glaubhaft suggeriert).

Ich glaube das hat es in der Form noch nicht gegeben. Mit Machinima und ähnlichem hat man natürlich schon Computerspiele-Engines benutzt, um Geschichten zu erzählen, aber das diese sozusagen live inszeniert werden, erinnert eher an das gute alte Theater. Selbst die Kulissen werden im Spiel erstellt. Es ist ein Theaterstück, von dem die beiden Hauptprotagonisten nicht wissen, wie es weitergeht. Dies fügt Elemente der Improvisation und des “Freispielens” hinzu.

Wer sich für den Humor der beiden Köpfe von The Yogscast erwärmen kann, sollte der “Shadow of Israphel” – Serie ruhig eine Chance geben. Ich jedenfalls habe mich sehr unterhalten, auch wenn es erst nach den ersten circa 20 Folgen so richtig an Fahrt aufnimmt.

Robinson Crusoe

Nov 01 2010 Published by in Homo ludens,Literatur Ein Kommentar

Robinson Crusoe, Daniel DefoeSo, hier, Robinson Crusoe. Schnell musste ich diese alte Geschichte lesen, die als der erste englische Roman überhaupt gilt. Den ganzen Titel kann man nicht mal mehr twittern: The Life and Strange Surprising Adventures of Robinson Crusoe, of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Ment perished but himself. With an Account how he was at last strangely deliver’d by Pyrates.

Nun die Idee, den Großteil der Handlung bereits im Buchtitel zu verraten hat sich dann in der Geschichte des Romans glücklicherweise nicht durchgesetzt. Doch es passiert ja noch viel mehr in diesem vielfach neu erzählten Werk von Daniel Defoe. Der einsame Mann auf der Insel, der sich nach und nach alles selbst baut, was er su zum Überleben braucht, diese Geschichte kennt jeder.

Aber wer erinnert sich noch daran, dass der gute Robinson nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach Schiffsbruch erleidet, dass er deshalb höchstpersönlich einige Zeit als Sklave gefangen gehalten wurde, dass er für einige Jahre  Plantagenbauer in Brasilien wird. Dass er gar nicht ohne jeglichen Proviant auf seiner einsamen Insel landet, sondern in aller Ruhe über zwei Wochen ein komplettes Boot ausräumen kann. Waffen, Proviant, Schießpulver, Klamotten, Werkzeug, das neueste Apple-Produkt, all das ist von Anfang an da. Totale Entmystifizierung.

Überhaupt dieser Robinson, in seinen 28 Jahren auf der Insel denkt er zwar mehrfach daran, dass es doch fein wäre, einmal Konversation betreiben zu können, wie sehr er eine anständige Pfeife schätzen würde, aber nicht einen Gedanken verschwendet er in 28 Jahren an so etwas wie Sex. Das Wort Frau fällt höchstens zweimal im ganzen Roman und sämtliche Romantik beschränkt sich auf einen Absatz. Robinson heiratet und im nächsten Satz stirbt die gute Gattin auch schon wieder.

Stattdessen bemüht er sich redlich, die Kultur der ansässigen Stammesvölker zu zerstören. Nun gut, den praktizierten Kannibalismus muss man nicht wirklich gut finden, aber seinem freundlichen Sklaven “Freitag” zu erklären, das seine Gottheit namens Benamuckee es ja nicht so draufhabe, weil dieser nur zuhört, wenn man sich auf einen bestimmten großen Hügel stellt und laut ruft, während der christliche Gott jedermann immer und überall hören könne, ist keine Glanztat. Doch der gute Freitag fällt innerhalb von zwei Tagen von seinem Glauben ab und wird zum Über-Christen-Sklaven. Und leckere Menschen isst er auch nicht mehr. Brav, Freitag!

Doch die Idee des Robinson Crusoe und seiner Geschichte hat die Jahrhunderte überdauert. Schuld ist wohl die Faszination am do-it-yourself, sowie ohne jegliche Annehmlichkeiten und Fesseln der Zivilisation überleben zu können. Der Grund warum es Mac Gyver und all diese Einrichtungssendungen gibt. In zahlreichen Filmen, Romanen, Serien und Comics wurde die Idee aufgegriffen. So auch im Indie-Game des Jahres 2010. Minecraft. Das Spiel ist noch nichtmal fertig, doch haben sich schon über 500.000 Leute die Alpha-Version des Spiels für rund zehn Euro gekauft und den Ein-Mann-Programmierer innerhalb kürzester Zeit zum mehrfachen Millionär gemacht. Auch das ist self-made.

In Minecraft findet man sich in einer 8bit-Welt wieder, die man komplett umgestalten kann. Doch am Anfang hat man nichts. Und zwar wirklich nichts, nicht dieses Robinson Crusoe Weichspüler-Nichts. Man fängt also an mit der bloßen Hand ein paar Bäume zu fällen (womit sonst? man hat ja nichts!) und baut sich so seine ersten Werkzeuge zusammen. Damit zimmert man sich seine erste Behausung, die spätestens vor Anbruch der Nacht stehen sollte, denn dann treiben fiese Skelette, Zombie, Spinnen und seltsam explodierende Penis-ähnliche Monster ihr Unwesen. Das traute Heim wird immer größer, man kann eine Menge Kram mithilfe von geschöpften Rohstoffen erstellen, immer kostbarere Bodenschätze finden und so weiter. Ein wirkliches Spielziel gibt es nicht, (bis jetzt) geht es ums nackte Überleben, ums Bauen von riesigen verrückten Sachen, oder sonstigen selbstgesteckten Zielen, Ideen und Plänen. Ein Spiel, wie gemacht für Freispielregeln.

Und wenn man dann bereits den dritten Minenstollen bohrt und sich Aussichtstürme baut um dort den Sonnenaufgang genießen zu können, und völlig aus dem Häuschen gerät, weil man Bambus entdeckt hat, dann kann man noch ein wenig von dieser Robinson Crusoe Faszination nachspüren. Gerade wurde pünktlich zu Halloween ein neues Update veröffentlicht, die Welt von Minecraft hat jetzt auch eine eigene Hölle, Schweinezombies, eine Angel und vieles mehr. Kannibalismus sparen wir uns aber lieber.