
Apple will nun also auch noch den Schulbuchmarkt erobern. Wie so oft, wenn es um Apple geht, bin ich da gespaltener Meinung. Apple-typisch sieht alles schick aus und mit der iBook-Author Software scheint es sehr einfach zu sein, schicke Bücher zu erstellen. Schulbücher, die mehr können, als einfach nur statische Inhalte darzustellen. Filme, dynamische Tabellen, Aktualität, da ließe sich einiges umsetzen. Lehrerinnen und Lehrer könnten kleine Schulbücher für Unterrichtsreihen erstellen und diese im Laufe der Zeit mit weiterem Lernstoff anfüllen. Die Schülerinnen und Schüler könnten so Portfolios zu Themen erstellen oder gleich selbst ihre eigenen Lernbücher schreiben.
Schon zu meiner Schulzeit, waren die Schulbücher oft hoffnungslos veraltet. Ich habe nach der Jahrtausendwende mit Büchern gelernt, in denen die DDR noch existierte. Bei den Naturwissenschaften dürfte das Aktualitätsproblem noch größer werden. Schon damals waren Schulbücher immer problematisch. Oft waren sie inhaltlich unzureichend. Ein guter Lehrer hat das Schulbuch immer mit eigenen, ergänzenden Inhalten angereichert. Die Dinger waren oft in richtig schlechtem Zustand und Geld für neue Bücher gab es nur selten.
Es ist typisch für Apple, dass sie sich eine nahe liegende Idee schnappen und diese als erste in ein Produkt gießen und anbieten und zwar so, dass jeder sofort loslegen kann. Typisch Apple ist aber auch, dass der gesamte Ablauf wieder an das Apple-Ökosystem verkettet und eingeschlossen ist. Zwar lassen sich die Bücher in einige Formate exportieren, aber das war es dann auch schon. Will man aber alle Vorteile und Einfachheit des Konzepts nutzen, dann geht das nur über Apple.
Auch wenn multimedialer Overkill in meinen Augen oft auch hinderlich für eine Vermittlung von Inhalten sein kann, sind die dynamischen Möglichkeiten, die ein elektronisches Schulbuch bietet, durchaus wünschenswert. Solange Unterricht dadurch nicht zu einer Infotainment-Veranstaltung verseicht. Wie so oft muss mit Technologie also sinnvoll umgegangen werden, dass es diese Technologie aber gibt ist erstmal wünschenswert.
Wenn man ein paar Lehrerblogs verfolgt, lässt sich oft lesen, dass die klassischen Schulbuchverlage diese digitalen Möglichkeiten und Chancen bisher kaum bedienen. Wenn Apple in dieser Hinsicht etwas Leben in die Bude bringt und die Konkurrenz wach rüttelt, wäre das ja schon mal was.
Nur, warum haben wir solche Werkzeuge nicht im Netz? Das Internet ist doch eigentlich die beste Plattform für so etwas wie ein elektronisches Schulbuch. Ich kenne mich mit Netztechnologien nicht wirklich aus, aber mit HTML 5 und Konsorten sollten doch eigentlich alle tollen Dinge, die man von einem elektronischen Schulbuch erwartet, möglich sein. Überhaupt, warum werden Schulbücher bisher ausschließlich von Verlagen erstellt? Das könnten die Lehrkräfte doch auch. Es wäre so einfach. Lehrer könnten zusammen im Netz Schulbücher erstellen, sie wären dynamisch und funktionierten über allgemeine Netzstandards und wären so mit viel mehr Endgeräten kompatibel.
Nur, damit das klappt müsste die Software oder das CMS mit dem sich derartige Inhalte kreieren ließen und das gesamte Ökosystem drumherum, eben auch entsprechend einfach zu bedienen sein. Das macht Apple dann eben auch wieder niemand so schnell nach.
Abgesehen davon, macht das Erstellen guter Schulbücher und guten Lernmaterials natürlich auch eine Menge Arbeit. Und nicht alle Lehrerinnen und Lehrer geben freiwillig ihre bewährten Lernmaterialien her. Das ist schade.
Denn wenn es Inhalte gibt, die im Netz frei, und zwar in jeder Hinsicht frei verfügbar sein sollten, dann sind es Inhalte der Bildung. Sie könnten das Netz, ja die Welt, zu einem besseren Ort machen.