You Are My Sunshine

Dank des feinen Herrn Bosch hörte ich mitten in der Nacht diese Interpretation von You Are My Sunshine und war so ruhig wie schon lange nicht mehr. Einmalig passende Musik zum richtigen Zeitpunkt.

Dank des feinen Herrn Bosch hörte ich mitten in der Nacht diese Interpretation von You Are My Sunshine und war so ruhig wie schon lange nicht mehr. Einmalig passende Musik zum richtigen Zeitpunkt.
Vier leicht durchgeknallte Damen aus Norwegen machen Katzenmusik. Ich bin natürlich wieder ein paar Jahre hinterher und das Gespann ist bestimmt ein alter Hut, aber ich bin froh sie noch für mich entdeckt zu haben, wenn auch erst jetzt.
Katzenjammer machen wohl am ehesten so etwas wie Folk, vergleichbar ist die Musik allerdings eher mit einer wilden Achterbahnfahrt durch verschiedene Genres irgendwo zwischen Monkey Island-Gedudel, Polka, Kaugummi-Pop mit Überkitsch, Country-Hymnen und Tim Burton-Soundtrack. Mal wähnt man sich auf einem überdrehten Jahrmarkt, mal in einer verrauchten Whiskey-Spelunke, dann wieder in einer Japano-Trashigen Spielhalle.
Die Instrumente werden dabei von den Protagonistinnen wild durcheinander gewechselt, das Gleiche gilt für den Gesang. Gespielt wird mit Schlagzeug, Honkey-Tonkey Klavier, Gitarren, Ukulelen, Trompeten, Banjos, Akkordeon, Xylophon und einer Kriegsaxt mit Saiten und Katzengesichtbemalung, die wohl für den Bass verantwortlich ist. Die Stimmen formen gerne septakkordische Harmonien mit einer klaren Vorliebe für die ganz große Geste, was die Musik oft dramatisch, lustig und zuweilen auch etwas kitischig macht. Ist also nicht jedermanns Sache.
Unabhängig davon kann man in den Live-Videos sehen, wieviel Spielfreude die vier Frauen mitbringen, sowohl musikalisch also auch in performanten Angelegenheiten. Ich freue mich immer wie ein Schnitzel über Spielfreude auf der Bühne. Ist besser, wenn man Coolness nicht nötig hat. Und die Spielfreude hört man auch auf den beiden Alben. Wer die etwas abgefahrene Seite des Quartetts schätzt greift zum 2008 erschienenen Debüt-Album “Le Pop” (mein Favorit), wer es etwas geschliffener und poppiger mag, der nimmt “A Kiss Before You Go” von 2011. Empfehlen kann ich Beide.
Mahler, Mahler, Mahler. Auch wenn es bis jetzt noch nicht viele waren, so war jede Begegnung mit ihm eine gute. Auf erschütternde Art. Erst die Achte mit ihrem völligen Größenwahn, mit einem Konzerterlebnis bei den Bielefelder Philharmonikern, bei dem man völlig in den Sitz geschmettert wurde. Dann die Neunte, diese Auflösung von Musik, bei der man sich am liebsten zusammenrollen und ewig schlafen möchte. Und nun die Zweite. Auferstehungs-Sinfonie.
Absolut empfehlenswert: Die Aufnahme mit den City of Birmingham Symphony Chorus & Orchestra unter Sir Simon Rattle. Für Rattle ist Mahlers Zweite Sinfonie ein Erkennungsstück. Er begann und endete seine achtzehn Jahre dauernde Zeit beim City of Birmingham Symphony Orchestra mit ihr. Diese Aufnahme von 1987, mit einem wunderschön gesungenem “Urlicht” von Janet Baker, wurde von EMI zurecht in die Label-Reihe: “Great Recordings of the Century” aufgenommen. Auch klanglich ein wahres Erlebnis.
Eventuell lohnt es sich aber auch auf den 4. Februar zu warten. Dann soll eine neue Aufnahme unter Rattle und den Berliner Philharmonikern erscheinen. Das in gleicher Besetzung in Berlin aufgeführte Konzert hat mir – per Digital Concert Hall – bereits sehr gut gefallen.
“Meine beiden Symphonien erschöpfen den Inhalt meines ganzen Lebens; es ist Erfahrenes und Erlittenes, was ich darin niedergelegt habe, Wahrheit und Dichtung in Tönen” – Gustav Mahler
Die Zweite Sinfonie wird am 21. und 23. Januar auch bei den Bielefelder Philharmonikern unter dem erst kürzlich neu eingesetzten Generalmusikdirektor Alexander Kalajdzic aufgeführt. Allein wenn man sich die Liste der teilnehmenden Musikergruppen ansieht, weiss man, dass es eine volle Bühne und hoffentlich auch vollen Saal geben wird. Ich werde dann an dieser Stelle berichten.
Für einen kleinen Mahler-Höreindruck der Zweiten Sinfonie sorgt jetzt noch Leonard Bernstein. Diesmal nicht nur per Gesichtsdirigat, sondern komplett mit Schweiß und zitternden Armen und so.
Eigentlich habe ich es nicht so mit geistlicher Musik. Doch schon als Kind haben Chöre immer eine große Faszination auf mich ausgeübt. Wenn Harmonien aus einem eingespielten Münderkollektiv quellen, bin ich Feuer und Flamme. Aus ein wenig eigener Erfahrung aus dem stets überforderten Schulchor, weiss ich, das ein guter Chor einiges leisten muss. Wie wichtig es ist aufeinander zu hören und sich in das große Ganze einzufügen.
Sicherlich haben sowohl große als auch kleine Chorbesetzungen mit ihren ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen. Bei der Interpretation des Requiems von Tomás Luis de Victoria sind nur 12 Kehlen am Werk. The Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Phillips. Vier Stimmen im Sopran, Zwei Altstimmen, Vier Tenöre, Zwei Bässe.
Das erste Wort, dass mir zum Gehörten einfällt ist Klarheit. Diese Transparenz ergibt sich sicherlich zum Teil durch die Ensemblegröße, was den Eindruck und die transportierte Kraft jedoch keineswegs schmälert. Unglaublich schön, wie hier ein Zahnrad ins Nächste greift ohne Unnatürlich zu wirken, wie homogen des Ensemble trotz aller Durchhörbarkeit klingt. Vielleicht kann man dieses Wort dann doch einmal gebrauchen: sublim.
Auf YouTube kann man sich übrigens die komplette CD anhören, in eingeschränkter Tonqualität natürlich.
Meine karge Sammlung wurde soeben um das erste Werk von Händel erweitert. Die Feuer- und die Wassermusik in einer ziemlich bekannten Aufnahme unter dem Dirigat von Trevor Pinnock. Neben den Brandenburgischen Konzerten von Bach ist dies überhaupt erst das zweite Werk, das dem Barock zuzuordnen ist. Da mich die Liebe zur Musik sozusagen bei der Romantik gepackt hat, sieht es sowohl im Barock als auch in der Klassik noch sehr mau aus.
Letztere Epoche wird nun auch verstärkt, durch ein Requiem, welches unter anderem daran “Schuld” ist, das es in meinen Teenager-Tagen bereits zu einem ersten Interesse an klassischer Musik kam. Das Interesse schlummerte irgendwann wieder ein, um jetzt wieder erstarkt auszubrechen. Es handelt sich um das berühmte Requiem von Mozart, hier in einer Aufnahme des London Symphony Orchestra unter Colin Davis aus dem Jahre 2007.
Unterdessen kommt hier für ein paar Tage tatsächlich noch mal die Sonne raus und natürlich zieht man sich gleichzeitig eine dicke Erkältung zu. Hallo Herbst, ich bin dir wiedermal vorraus!
Die Bruckner-Entdeckungsreise geht weiter. Heute sind nun seine vierte und siebte Sinfonie eingetrudelt. Oft werden sie als “Einstieg” in das Werk Bruckners empfohlen. Ich habe mit der neunten Sinfonie angefangen und bei der hat es auch gleich gefunkt.
Nun aber Vier und Sieben. Die Vierte, gespielt vom Royal Scottish National Orchestra unter Georg Tintner. Tintner soll für Bruckner überhaupt eine interessante Adresse sein. Eine preiswerte sind die im Naxos-label erschienenen Aufnahmen allemal. Bei der Siebten handelt es sich um eine Aufnahme von Karajan mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahre 1971, auch recht günstig zu haben.
Weder die Vierte noch die Siebte haben mich beim ersten Anhören wirklich gepackt, jedenfalls nicht im Vergleich mit der Neunten. Ich werde mir diese Sinfonien also noch weiter “erhören” und in der Zwischenzeit empfehle ich persönlich allen Bruckner-Interessierten den Einstieg mit der Neunten. Und nun darf es auch mal wieder ein anderer Komponist sein. Es ist noch viel zu vieles ungehört. Unerhört!