Archiv für Juli, 2011

The Yogscast

Jul 30 2011 Published by in Homo ludens,Netz,Sonstiges 5 Kommentare

Um zu erklären, warum ich bestimmte Videos von The Yogscast ziemlich unterhaltsam finde, muss ich etwas weiter ausholen. Zunächst einmal gibt es eine ziemlich große Szene an Youtubern, die aufzeichnen, wie sie ihre Computerspiele spielen und das Ergebnis dann hochladen. “Let’s Plays” wird das oft genannt und wenn ein sehr talentierter “Let’s Player” loslegt, kann es mitunter mehr Spaß machen, diesem beim Spielen zuzusehen, als selbst das eigentliche Spiel zu spielen. The Yogscast, im Kern bestehend aus Honeydew und Xephos, machen eben solche Videos, die in der Regel von rund einer Millionen Menschen verfolgt werden. Sie konzentrieren sich dabei gerne auf Multiplayersessions und sind sowieso am besten, wenn sie zu zweit sind.

Nun hat diesen Leuten ein Spiel besonders angetan: Minecraft, das wohl erfolgreichste Indie-Spiel der vergangenen Jahre. Über Minecraft habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Das interessante an Minecraft ist im Grunde, das es kein richtiges Spielziel gibt und das die Spielwelt komplett umgestaltet werden kann. Minecraft ist ein riesiger Baukasten, der digitale Traum eines jeden Legobauklotzfetischisten. Und die Leute bauen die unglaublichsten Dinge.

The Yogscast schnappen sich also Minecraft und filmen, wie sie gemeinsam auf einem Minecraft-Server die erste Nacht überleben, sich ein erstes Domizil aus dem Stein kloppen und so weiter. Das ist schon ziemlich unterhaltsam, wenn man sich darauf einlässt und sich nicht zu blöd dabei vorkommt anderen Leuten beim Spielen zuzusehen.

Nach ein paar Folgen, passiert dann aber etwas, das meine Kinnlade runterklappen ließ. Ich glaube es war die Geburt einer neuen Art von Narration. In Folge 6 entdecken die Beiden ein Gebäude, das eigentlich nicht da sein dürfte. Später taucht dann plötzlich noch eine dritte Spielfigur auf dem Server auf und attackiert die beiden “Let’s Player” aus heiterem Himmel. Die Zwei beschließen ihre Zelte abzubrechen und den Angreifer zu verfolgen. Was darauf folgt ist ein groß angelegtes (und natürlich inszeniertes) Abenteuer mit vielen verschiedenen – und mithilfe der Spiele-Engine aufwendig erstellten – Schauplätzen und Charakteren. Ganze Dörfer und Städte, Dungeons und Labyrinthe werden auf diese Weise entdeckt, erkundet und zum Universum von The Yogscast.

Es ist also kein Machinima, wir erleben das komplette Geschehen stets aus der gleichen Perspektive, live,  und sie unterscheidet sich im Grunde nicht von einer normalen Minecraft Multiplayer-Partie.

Schon als ich das erste Mal über Minecraft schrieb, musste ich an die Freispielregeln von Ben denken, die er ursprünglich mal für World of Warcraft entwarf. Minecraft macht deshalb so viel Spaß beim bloßen Zuschauen, weil es wie gemacht wurde für Freispielregeln. Es gibt keinen Ballast, keinerlei hochkomplexe Spielmechanismen, keine Ziele, keinen “Fortschritt” im Spiel. The Yogscast haben diesen Umstand genutzt und erzählen nun eine Geschichte. Mit Minecraft und in Minecraft. Und die beiden Protagonisten haben dabei selbst keine Ahnung, wie ihr Abenteuer weitergehen wird (zumindest wird das glaubhaft suggeriert).

Ich glaube das hat es in der Form noch nicht gegeben. Mit Machinima und ähnlichem hat man natürlich schon Computerspiele-Engines benutzt, um Geschichten zu erzählen, aber das diese sozusagen live inszeniert werden, erinnert eher an das gute alte Theater. Selbst die Kulissen werden im Spiel erstellt. Es ist ein Theaterstück, von dem die beiden Hauptprotagonisten nicht wissen, wie es weitergeht. Dies fügt Elemente der Improvisation und des “Freispielens” hinzu.

Wer sich für den Humor der beiden Köpfe von The Yogscast erwärmen kann, sollte der “Shadow of Israphel” – Serie ruhig eine Chance geben. Ich jedenfalls habe mich sehr unterhalten, auch wenn es erst nach den ersten circa 20 Folgen so richtig an Fahrt aufnimmt.

Spaziergang

Jul 15 2011 Published by in Weinrot 4 Kommentare

All that Jazz!

Jul 10 2011 Published by in Sonstiges 5 Kommentare

Miles Davis, Kind of Blue

Ich möchte schon lange mal wieder etwas über Musik zu schreiben. Dummerweise sind es immer die Zeiten in denen ich besonders viel lerne, arbeite, recherchiere und studiere in denen ich auch besonders viel Musik höre. Und dementsprechend wenig Zeit bleibt dann noch, um hier etwas aufzuschreiben.

Zu meiner Liebe zur klassischen Musik ist die Liebe zum Jazz getreten. Ich vermute diese Entwicklung ist im Grunde unvermeidbar. Wer sich mit klassischer Musik beschäftigt wird man immer wieder mit der Nase auf den Jazz gestoßen, umgekehrt ist es vermutlich ebenso.

The Dave Brubeck Quartet, Time Out

Beide Musikarten, der Jazz und die Klassik, sind der Inbegriff des Analogen. Einfach Klang, einfach Musik. Töne die vernünftige Klangkörper aus Holz verdienen. Eine Docking Station ist hier fehl am Platz. Töne, die ich nach mehreren Jahren des Mp3-Hörens und Erwerbens nun wieder ausschließlich auf CDs kaufe und sammle. Denn das Analoge möchte aus dem Regal gezogen werden, sortiert werden, gestapelt werden. So kriegt jede Aufnahme eine Geschichte. Wenn ich Mahlers Neunte Sinfonie aus dem Regal ziehe, erinnere ich mich genau an die Aufnahmenempfehlung des Schweizer Radiosenders, die eindrücklichen ersten Minuten des ersten Satzes, den Ländler, der unglaubliche vierte Satz, an eine Beerdigung, an eine Busfahrt, ein Brillengestell und eben an eine bestimmte Stelle im Musikregal.

Louis Armstrong, Play W.C. Handy

Als ich anfing, wieder CDs zu kaufen, habe ich alle digitalen Bestände an klassischer Musik gelöscht. Weg. So konnte ich mich auf jede neue Aufnahme freuen und einlassen. Natürlich habe ich diese CDs dann doch wieder digitalisert, schließlich möchte ich auch unterwegs Musik hören. Doch die digitale Version ist nun einfach nur eine praktische Verlängerung meines Musikregals. Das passt. Ähnlich befreiend fühlte es sich übrigens an, vor einigen Wochen meinen ganzen Kram von Apple zu verscherbeln. Hier ist nun wieder alles frei und quelloffen und ich komme mir nicht mehr wie ein ewiger Kunde vor, wenn ich am Computer sitze. Aber das ist eine andere Geschichte…

Der erste Schritt am Fuß eines riesigen Berges. Und der zweite Berg schon, dessen Gipfel ich vermutlich nie erklimmen werde, doch bei dem jeder erreichte Höhenmeter jegliche Mühe vergessen macht.

PS. Die Alben aus diesem Beitrag kann man alle blind kaufen. Und mit gutem Holz hören.