Archiv für Januar, 2011

Top Ten Komponisten in der New York Times

Jan 11 2011 Published by in Grau,Netz Kommentar hinterlassen

Die New York Times hat vor ein paar Tagen eine kleine Video-Serie gestartet. Musik-Chefkritiker der Zeitung, Anthony Tommasini, versucht eine Top Ten Liste der klassischen Komponisten zu erstellen. Natürlich – wie er selbst zugibt – ein hoffnungsloses Unterfangen. Interessant aber dennoch, wenn er erklärt, warum er sich für eben seine Auswahl entschieden hat, wo die musikalischen Besonderheiten der Komponisten liegen und welche Zusammenhänge es zwischen ihnen gibt.

Schade nur, dass die Videos so kurz sind. Das ist es, was mich an der Nutzung der Plattform Internet von großen Medienhäusern stört. Im Blatt ist natürlich kein Platz für große Werksanalysen. In Netz hätte die New York Times allen Platz der Welt. Ich wette der Rohschnitt der Videos wäre viel länger und ich könnte stundenlang zuhören. Trotzdem nur Clip-Länge. Ausserdem erinnert es mich manchmal an Bob Ross und das lässt mich schmunzeln.

Bis jetzt gibt es Folgen über Bach, Haydn, Mozart, Schubert und Beethoven.

Klassische Musik trifft auf Hacker: 27C3 "The Concert"

Jan 11 2011 Published by in Türkis Kommentar hinterlassen

Jährlich findet zwischen Weihnachten und Silvester der CCC statt, der [[wiki:Chaos Communication Congress]]: Ein großes, internationales Hacker-Treffen, welches vom [[wiki:Chaos Computer Club]] (auch CCC) veranstaltet wird. Auf dem Kongress gibt es natürlich viele Vorträge und Workshops über Computertechnologie, insbesondere IT-Sicherheit. Zum Beispiel, warum EC-Karten nicht wirklich sicher sind, wie man seine PlayStation 3 hackt, was man mit dem Handy-Baseband so alles anstellen kann. So werden auf dem Kongress jedes Mal beunruhigende Sicherheitslücken in Computersystemen und im Netz offen gelegt und auf diese hingewiesen, damit sie geschlossen werden können.

Was hat das ganze nun mir klassischer Musik zu tun? Normalerweise sieht man auf dem Hacker-Getümmel ja vor allem Computerheinis (wie meine Großmutter sagen würde) und ihre Ansammlungen and Rechnern und sonstiger Gadgets, sowohl auf – als auch vor den Vortragsbühnen. Es gab allerdings einen Vortrag, der sich von allen Anderen absetzte und der von vielen Besuchern des Kongresses als ein Highlight, wenn nicht sogar DAS Highlight beschrieben wurde.

Ein Künstlerduo betritt die Bühne. Julien Quentin setzt sich an einen Steinway-Flüge, Corey Cerovsek packt eine waschechte Stradivari-Geige aus. “Begleitet” werden die Beiden von Alex Antener, der eine Slide-Show steuert auf der ein fiktiver Chat-Log abläuft. Das Trio hat eine Botschaft. Es geht um das Urheberrecht und wie glücklich sich Musiker sich schätzen können, die klassische Musik spielen: In der Regel sind alle Noten, all die schönen Werke, die man so im klassischen Kanon spielen möchte, inzwischen frei von Lizenzen. Das ist praktisch, denn so kann jeder klassische Musik aufführen ohne erst Lizenzgebühren zahlen zu müssen. Mit heutiger Musik ist das nicht so einfach. Die Musiklabels versuchen Musik so lange wie möglich zu lizensieren. Natürlich sollen Künstler durch ihre Kunst exklusiv Geld verdienen können. Aber wie sehr wird damit der Austausch in der Kunst, das Kulturwesen behindert? Und wie lange muss so eine Lizenz wirklich gelten? 20 Jahre, 50 Jahre, 100 Jahre, ewig? Und ist es nicht vielleicht nötig, über neue Formen des Urheberrechts nachzudenken, die das Teilen, das Remixen und eingeschränkte Nutzung zulässt, ohne das die Urheberschaft völlig aufgegeben werden muss. Was nicht nur für die Kunst, sondern auch für Software-Patente und Technologie sehr sinnvoll sein kann. [[wiki:Creative Commons]] ist eine solcher Versuch, auf den die Musiker verweisen.

Es gibt ein Video des Vortrags. Zwar kann es die eigentliche Atmosphäre nur unzulänglich wiedergeben, aber auch in der Aufzeichnung merkt man, das hier etwas besonderes passiert. Ein ganzer Saal voller Computernerds lauscht andächtig den Klängen von Johannes Brahms. Auf den Folien steht irgendwann, dass man jetzt einfach nur noch spiele und zuhören möge. Die Kreutzer Sonate von Beethoven. Am Ende gibt es Standing Ovations, die Zuschauer sind offensichtlich begeistert. Von der Idee, vom Konzept, doch vor allem einfach durch die Musik.

Daraufhin treten die drei Künstler an die Mikrofone und erklären triumphierend: “You have been hacked!” Recht haben sie. Ein schönes Beispiel für die Kraft von klassischer Musik. Hochmorderne Techinik-Profis infiziert von Tönen und einer Geige, die hunderte von Jahren alt sind. Analog und digital. Das gesamte Konzert und die anschließende kurze Interviewrunde kann man sich in ganzer Länge hier ansehen/runterladen, hier geht es zur Projektseite.

Auferstehungs-Sinfonie

Jan 06 2011 Published by in Aufnahmen Kommentar hinterlassen

 Mahler, Mahler, Mahler. Auch wenn es bis jetzt noch nicht viele waren, so war jede Begegnung mit ihm eine gute. Auf erschütternde Art. Erst die Achte mit ihrem völligen Größenwahn, mit einem Konzerterlebnis bei den Bielefelder Philharmonikern, bei dem man völlig in den Sitz geschmettert wurde. Dann die Neunte, diese Auflösung von Musik, bei der man sich am liebsten zusammenrollen und ewig schlafen möchte. Und nun die Zweite. Auferstehungs-Sinfonie.

Absolut empfehlenswert: Die Aufnahme mit den City of Birmingham Symphony Chorus & Orchestra unter Sir Simon Rattle. Für Rattle ist Mahlers Zweite Sinfonie ein Erkennungsstück. Er begann und endete seine achtzehn Jahre dauernde Zeit beim City of Birmingham Symphony Orchestra mit ihr. Diese Aufnahme von 1987, mit einem wunderschön gesungenem “Urlicht” von Janet Baker, wurde von EMI zurecht in die Label-Reihe: “Great Recordings of the Century” aufgenommen. Auch klanglich ein wahres Erlebnis.

Eventuell lohnt es sich aber auch auf den 4. Februar zu warten. Dann soll eine neue Aufnahme unter Rattle und den Berliner Philharmonikern erscheinen. Das in gleicher Besetzung in Berlin  aufgeführte Konzert hat mir – per Digital Concert Hall – bereits sehr gut gefallen.

“Meine beiden Symphonien erschöpfen den Inhalt meines ganzen Lebens; es ist Erfahrenes und Erlittenes, was ich darin niedergelegt habe, Wahrheit und Dichtung in Tönen” – Gustav Mahler

Die Zweite Sinfonie wird am 21. und 23. Januar auch bei den Bielefelder Philharmonikern unter dem erst kürzlich neu eingesetzten Generalmusikdirektor Alexander Kalajdzic aufgeführt. Allein wenn man sich die Liste der teilnehmenden Musikergruppen ansieht, weiss man, dass es eine volle Bühne und hoffentlich auch vollen Saal geben wird. Ich werde dann an dieser Stelle berichten.

Für einen kleinen Mahler-Höreindruck der Zweiten Sinfonie sorgt jetzt noch Leonard Bernstein. Diesmal nicht nur per Gesichtsdirigat, sondern komplett mit Schweiß und zitternden Armen und so.

Tomás Luis de Victoria – Requiem

Jan 05 2011 Published by in Aufnahmen,Braun Kommentar hinterlassen

Eigentlich habe ich es nicht so mit geistlicher Musik. Doch schon als Kind haben Chöre immer eine große Faszination auf mich ausgeübt. Wenn Harmonien aus einem eingespielten Münderkollektiv quellen, bin ich Feuer und Flamme. Aus ein wenig eigener Erfahrung aus dem stets überforderten Schulchor, weiss ich, das ein guter Chor einiges leisten muss. Wie wichtig es ist aufeinander zu hören und sich in das große Ganze einzufügen.

Sicherlich haben sowohl große als auch kleine Chorbesetzungen mit ihren ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen. Bei der Interpretation des Requiems von Tomás Luis de Victoria sind nur 12 Kehlen am Werk. The Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Phillips. Vier Stimmen im Sopran, Zwei Altstimmen, Vier Tenöre, Zwei Bässe.

Das erste Wort, dass mir zum Gehörten einfällt ist Klarheit. Diese Transparenz ergibt sich sicherlich zum Teil durch die Ensemblegröße, was den Eindruck und die transportierte Kraft jedoch keineswegs schmälert. Unglaublich schön, wie hier ein Zahnrad ins Nächste greift ohne Unnatürlich zu wirken, wie homogen des Ensemble trotz aller Durchhörbarkeit klingt. Vielleicht kann man dieses Wort dann doch einmal gebrauchen: sublim.

Auf YouTube kann man sich übrigens die komplette CD anhören, in eingeschränkter Tonqualität natürlich.

Vivian Maier

Jan 03 2011 Published by in Dunkelblau,Fotografie Ein Kommentar

Über ganze Jahrzehnte betreibt eine Frau namens Vivian Maier Street Photography in Chicago und schießt Tausende von Fotos. Ziemlich gute Fotos.

Viele Jahre später ersteigert John Maloof einen ganzen Karton voller Negative. Als er diese dann genauer unter die Lupe nimmt, ist er sich sicher, auf etwas ganz Großes gestoßen zu sein. Es gibt sie noch, die Schatztruhen und unentdeckten Talente.

(via)