Weiter geht der Streifzug durch britische Literatur des 18. Jahrhunderts. Das Jahrhundert, in dem sich die Mittelschicht manifestierte, der Buchmarkt und überhaupt die Aufklärung. Die Aufklärung! Pamela: Or, Virtue rewarded ist eine sogenannte “epistolary novel”, ein Haufen Briefe, der hin- und hergeschrieben wird. Hat stilistisch etwas von einem Tagebuch, tatsächlich erinnert es daran, ein Blog durchzulesen. Womit wir den Bogen in 21. Jahrhundert geschlagen hätten.
Pamela ist eine Hausangestellte, (hier bitte unverwechselbaren Altkanzler Schmidt – Duktus dazu denken) aus armen aber anständigem Hause und sehr, sehr schön. Ihre Schönheit wird nur noch durch ihre Tugendhaftigkeit übertroffen, der Begriff “virtue” taucht nicht ohne Grund bereits im Titel auf. Pamela ist dermaßen voller Tugend und Schönheit, dass sich sogleich jedermann in sie verliebt. Das ist natürlich etwas anstrengend für unsere Hauptdarstellerin, ist die Bewahrung ihrer Tugend doch gleichbedeutend mit dem Verzicht auf jegliche unangemessene Reaktion auf das andere Geschlecht, die unter Umständen für ein Werben, eine shakern, oder auch einen harmlosen Flirt gehalten werden könnte. Ein körperliches Erstarren mit der autistisch anmutenden Vermeidung von Blickkontakt ist in etwa angemessen.
Als dann auch noch der gute Hausherr und oberste Vorgesetzte sein Herz an die holde junge Frau verliert, wird es richtig brenzlig. Pamela fällt regelmäßig in Ohnmacht wenn der reiche, vielleicht etwas forsche “Mister B.” sich im gleichen Raum aufhält, sie versucht zu küssen, oder sich gar in ihrem Kleiderschrank versteckt um sie zu belauschen. Der alte Spanner. Doch schon damals erkennt Mister B. nach guter alter Macho-Art, das das Fallen in Ohnmacht eine Strategie ist um ihn, Mister B., noch weiter zu treiben. Sie will es doch auch!
Tatsächlich entwickelt Pamela romantische Gefühle, auch wenn sie eigentlich nur unter Todesangst in der Lage ist, in einem Raum mit ihm zu sein. Mister B. lässt derweil Pamelas Korrespondenz überwachen, die Lage spitzt sich zu und Pamela möchte arm, doch tugendhaft den Rückzug antreten in ihr Elternhaus zurückkehren. Dieser Plan schlägt jedoch fehl, Mister B. begeht Rufmord und vernichtet die makellose Reputation der fleißigen Briefeschreiberin, indem er ihr eine Affäre andichtet. Mit einem Mann der Kirche. What, what?
Pamela wird als Gefangene auf einen Farm-Zweitsitz des Mister B. versetzt, wo sie unter anderem erfolglos versucht ihren eigenen Suizid zu inszenieren. Eine willkommene Möglichkeit der Flucht bietet sich, doch Pamela lässt sie verstreichen. Weil zwei Kühe sie unentwegt anstarren.
Doch jetzt kommt der Hammer. Nach weiteren dubiosen Annäherungsversuchen von Mister B., in denen er unter anderem versucht, sich als Hausmagd verkleidet (!) in Pamelas Bett zu schleichen, macht er ihr tatsächlich einen Heiratsantrag. Und Pamela nimmt an! Yeah! Happy End! Nun der Roman geht noch etwas weiter. Pamela muss es nun mit wiederhergestellter Tugend schaffen, die sozialen Klassenunterschiede zu überwinden. Und dann wäre da noch dieses Kind von Mister B., von dem niemand weiss, das er aus einer frühen Verführung ihres Gatten stammt. Aber hey, virtue rewarded!