Archiv für November, 2010

All American Bernstein

Nov 28 2010 Published by in Aufnahmen,Braun2 Kommentar hinterlassen

Bernstein, Barber, Gershwin: Amerikanische Meisterwerke - Los Angeles Philharmonic Orchestra, Bernstein

Bernstein

Eigentlich versuche ich den Erwerb von Compilations oder dergleichen zu vermeiden. Am liebsten ist mir ein Werk – eine CD, oder zumindest: ein Komponist – eine CD. Bei dieser Zusammenstellung der Deutschen Grammophon musste ich aber eine Ausnahme machen. “Amerikanische Meisterwerke” von Barber, Gershwin und Bernstein sind hier zusammengetragen und es gibt einen gemeinsamen Nenner: Alle Aufnahmen wurden von [[wiki:Leonard Bernstein]] dirigiert, ja ein großer Teil gar komponiert.

Und ich war auf der Suche nach Barbers Adagio for Strings, diesem Klassik-Hit, den jeder kennt, irgendwie schmalzig ist, vielleicht weil er für allerlei Marketing verwendet wird, und der doch schaurig-schöne Musik ist.

Ausserdem suchte ich nach der Candide-Ouvertüre. Dies ist eines dieser Juwelen, die ich auf meinen kleinen Streifzügen in die klassische Musik entdeckt habe. Nicht das sie unbekannt wäre, aber sie ist eben kein Adagio for Strings, sie wurde nicht an allen Ecken ausgeschlachtet, zumindest bin ich diesen Ecken dann nie begegnet. Man lernt sie in der Regel erst kennen, wenn man sich ein wenig mit klassischer Musik beschäftigt. Aber sie hat eine Kraft und eine Spritzigkeit, die ich sofort mochte. Ich muss immer an fliegende Fische denken, keine Ahnung wieso. Vielleicht Subtext-Programm-Musik?

Auch die wohlbekannte Rhapsody in Blue von [[wiki:George Gershwin]] ist enthalten, ein Stück das auch auf meiner Wunschliste stand, wenn auch etwas weiter hinten. Mit der Rhapsody konnte ich früher nicht viel anfangen, inzwischen wird es besser. Auf lange Sicht werden wir wohl Freunde werden, die Rhapsody und ich.

Leonard Bernstein: West Side Story - BernsteinSchließlich hört man auf dem Silberling noch On The Town: Three Dance Episodes, sowie die Symphonic Dances aus der West Side Story, beides natürlich von Leonard Bernstein. Für die West Side Story bevorzuge ich allerdings die volle Aufnahme unter Bernstein, die ich schon seit einigen Jahren besitze und uneingeschränkt empfehlen kann.

Eine Menge Amerikanische Musik, übrigens alles Konzertmitschnitte (bis auf America aus der West Side Story), zu einem äusserst fairen Preis von unter sieben Euro. Was will man mehr?

Robinson Crusoe

Nov 01 2010 Published by in Homo ludens,Literatur Ein Kommentar

Robinson Crusoe, Daniel DefoeSo, hier, Robinson Crusoe. Schnell musste ich diese alte Geschichte lesen, die als der erste englische Roman überhaupt gilt. Den ganzen Titel kann man nicht mal mehr twittern: The Life and Strange Surprising Adventures of Robinson Crusoe, of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Ment perished but himself. With an Account how he was at last strangely deliver’d by Pyrates.

Nun die Idee, den Großteil der Handlung bereits im Buchtitel zu verraten hat sich dann in der Geschichte des Romans glücklicherweise nicht durchgesetzt. Doch es passiert ja noch viel mehr in diesem vielfach neu erzählten Werk von Daniel Defoe. Der einsame Mann auf der Insel, der sich nach und nach alles selbst baut, was er su zum Überleben braucht, diese Geschichte kennt jeder.

Aber wer erinnert sich noch daran, dass der gute Robinson nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach Schiffsbruch erleidet, dass er deshalb höchstpersönlich einige Zeit als Sklave gefangen gehalten wurde, dass er für einige Jahre  Plantagenbauer in Brasilien wird. Dass er gar nicht ohne jeglichen Proviant auf seiner einsamen Insel landet, sondern in aller Ruhe über zwei Wochen ein komplettes Boot ausräumen kann. Waffen, Proviant, Schießpulver, Klamotten, Werkzeug, das neueste Apple-Produkt, all das ist von Anfang an da. Totale Entmystifizierung.

Überhaupt dieser Robinson, in seinen 28 Jahren auf der Insel denkt er zwar mehrfach daran, dass es doch fein wäre, einmal Konversation betreiben zu können, wie sehr er eine anständige Pfeife schätzen würde, aber nicht einen Gedanken verschwendet er in 28 Jahren an so etwas wie Sex. Das Wort Frau fällt höchstens zweimal im ganzen Roman und sämtliche Romantik beschränkt sich auf einen Absatz. Robinson heiratet und im nächsten Satz stirbt die gute Gattin auch schon wieder.

Stattdessen bemüht er sich redlich, die Kultur der ansässigen Stammesvölker zu zerstören. Nun gut, den praktizierten Kannibalismus muss man nicht wirklich gut finden, aber seinem freundlichen Sklaven “Freitag” zu erklären, das seine Gottheit namens Benamuckee es ja nicht so draufhabe, weil dieser nur zuhört, wenn man sich auf einen bestimmten großen Hügel stellt und laut ruft, während der christliche Gott jedermann immer und überall hören könne, ist keine Glanztat. Doch der gute Freitag fällt innerhalb von zwei Tagen von seinem Glauben ab und wird zum Über-Christen-Sklaven. Und leckere Menschen isst er auch nicht mehr. Brav, Freitag!

Doch die Idee des Robinson Crusoe und seiner Geschichte hat die Jahrhunderte überdauert. Schuld ist wohl die Faszination am do-it-yourself, sowie ohne jegliche Annehmlichkeiten und Fesseln der Zivilisation überleben zu können. Der Grund warum es Mac Gyver und all diese Einrichtungssendungen gibt. In zahlreichen Filmen, Romanen, Serien und Comics wurde die Idee aufgegriffen. So auch im Indie-Game des Jahres 2010. Minecraft. Das Spiel ist noch nichtmal fertig, doch haben sich schon über 500.000 Leute die Alpha-Version des Spiels für rund zehn Euro gekauft und den Ein-Mann-Programmierer innerhalb kürzester Zeit zum mehrfachen Millionär gemacht. Auch das ist self-made.

In Minecraft findet man sich in einer 8bit-Welt wieder, die man komplett umgestalten kann. Doch am Anfang hat man nichts. Und zwar wirklich nichts, nicht dieses Robinson Crusoe Weichspüler-Nichts. Man fängt also an mit der bloßen Hand ein paar Bäume zu fällen (womit sonst? man hat ja nichts!) und baut sich so seine ersten Werkzeuge zusammen. Damit zimmert man sich seine erste Behausung, die spätestens vor Anbruch der Nacht stehen sollte, denn dann treiben fiese Skelette, Zombie, Spinnen und seltsam explodierende Penis-ähnliche Monster ihr Unwesen. Das traute Heim wird immer größer, man kann eine Menge Kram mithilfe von geschöpften Rohstoffen erstellen, immer kostbarere Bodenschätze finden und so weiter. Ein wirkliches Spielziel gibt es nicht, (bis jetzt) geht es ums nackte Überleben, ums Bauen von riesigen verrückten Sachen, oder sonstigen selbstgesteckten Zielen, Ideen und Plänen. Ein Spiel, wie gemacht für Freispielregeln.

Und wenn man dann bereits den dritten Minenstollen bohrt und sich Aussichtstürme baut um dort den Sonnenaufgang genießen zu können, und völlig aus dem Häuschen gerät, weil man Bambus entdeckt hat, dann kann man noch ein wenig von dieser Robinson Crusoe Faszination nachspüren. Gerade wurde pünktlich zu Halloween ein neues Update veröffentlicht, die Welt von Minecraft hat jetzt auch eine eigene Hölle, Schweinezombies, eine Angel und vieles mehr. Kannibalismus sparen wir uns aber lieber.